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gwma:Interregnum

Interregnum

= lat. Zwischenherrschaft, genauer: Zeit zwischen der Herrschaft zweier König/Herrscher

Periode im mittelalterlichen deutschen Reich zwischen Erlöschen der Staufer (1245/1250, Exkommunikation / Tod Friedrichs II., bzw. 1254/56, Herrschaftsbeginn / Tod Konrads IV.) bis zur Wahl Rudolfs I. von Habsburg 1273.

Es gab keinen allseits anerkannten deutschen König

  • drei zwiespältig gewählte Gegenkönige: Wilhelm von Holland (1247-1256), Richard von Cornwall (1257-1272), Alfons X. von Kastilien (1254-1273/75), die sich jedoch nie durchsetzen konnten.
  • 1257: Doppelwahl zwischen Richard von Cornwall und Alfons von Kastilien

 

  • deutsches Königtum zwar nicht vakant, aber ohne jegliche Autorität
  • die Abwesenheit der Zentralgewalt führte zu einer Stärkung der partikularen Kräfte (fürstliche Territorialstaaten, Städte, teilweise zusammengeschlossen zu Städtebünden, auf der untersten Ebene Ritter, verkommen zu Raubrittern)
  • erste Welle von Flagellanten (Wandernde Brüderschaften, die sich mit Selbstgeißelung und ekstatischer Verzückung ihrer Bußprozessionen in Kritik an der Kirche hineinsteigerten und auch soziale Unruhen förderten) in Deutschland (1260-1262)
  • König von Böhmen wurde stärkste Macht im Reich, wurde dann aber beendet durch die Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen König (1273), verfassungsrechtlich verankert durch die Goldene Bulle (1356) und zwei Reichsverweser bei Thronvakanz.

 
Auch:

  • "Großes Interregnum", als "Zwischenherrschaft" durch den Tod Kaiser Friedrichs II. 1250 und die Wahl Rudolfs von Habsburg zum deutschen König 1273 zeitlich bestimmt, von Schiller als "kaiserlose (schreckliche) Zeit" poetisch charakterisiert
    • romatisch-verklärtes Geschichtsverständnis: mit dem Ausgang der Stauferherrschaft in der Mitte des 13. Jhd. beginnt ein Zeitalter der Wirren, unbeschadet der Tatsachen, dass Friedrich II. sich letztmalig 1235 in Deutschland aufgehalten hatte, sein Sohn Heinrich (VII.) damals abgesetzt und vom Vater in apul. Gefangenschaft geführt worden war und Konrad IV. nur zum König gewählt, aber nie gekrönt worden war.

 
Das Interregnum ist vielmehr als Kurzepoche des Umbruchs zu werten

  1. Befreiung des Papsttums von der staufischen Umklammerung in Italien befreite,
  2. Beschränkung des deutsche Königtums wesentlich auf die Regionen nördlich der Alpen beschränkte
  3. Vorantreiben und Festigen des Ausbaus der fürstlichen Landesherrschaft in den einzelnen Territorien; selbstständige Landesherrschaften
  4. Zerfall der Reichsgewalt

 
Mit der Erhebung Rudolfs von Habsburg zum deutschen König (1273 -1291) endete das Interregnum.

Bleibende Ergebnisse dieser Zeit

  • die endgültige Herausbildung des Kollegs der Kurfürsten als alleiniger Wahlkörper zur Nachfolge im Reich seit der Doppelwahl von 1257. Zu diesen gehören:
  1. Erzbischof von Trier
  2. Erzbischof von Köln
  3. Erzbischof von Mainz als geistliche Fürsten sowie
  4. König von Böhmen
  5. Pfalzgraf bei Rhein
  6. Herzog von Sachsen und
  7. Markgraf von Brandenburg
  • ein deutsches Königtum, das sich gegen die Macht der Landesherren auf den energischen Ausbau der eigenen Hausmacht verwiesen sieht
  • das endgültige Scheitern eines Deutschland, Italien und Sizilien umfassenden antipäpstlichen Imperiums staufischer Prägung

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