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gwma:Kirchenreform

Kirchenreform

 
Richtet sich im 10. und 11.Jh. v.a. gegen

  1. Simonie (nicht nur in Form von geldleistungen üblich, sondern auch innerhalb von Beziehungen, als Versprechen oder Dienste)
  2. Verstöße gegen den Zöllibat (besonders auf dem Land)
  3. Laieneinfluss (z.B. Eigenkirchenwesen, Investitur)

Wichtig: Papst Gregor VII., Reform wird auch Gregorianische Kirchenreform genannt.

aus dem Eintrag zur Kirchenreform in der Theologischen Realenzyklopädie (TRE):

Kirchenreform / reformatio ecclesiae

  • deutsche Päpste drängen den Einfluß des römischen Stadtadels bei der Papstwahl zurück und machen den Weg für Reformen frei; Befreiung des Papsttums aus lokaler Abhängigkeit
  • Frage: Stellung des Kaisers in der Gesamtkirche?

 
Reformziele (bereits im 10. Jhd.), z.B. benediktinische Klöster als Reformverband

  • Kampf gegen Simonie (Ämterkäuflichkeit)
  • Verbot des Nikolaitismus (Priesterehe)
  • Einfluss der Laien (später dann Investiturstreit)

 

  • Einsatz Kaiser Heinrich II. (HRR 1014-1024) und Heinrich III. (HRR 1046-1056) um die Verbesserung der sittlichen Qualität der Amtsträger
    • Forderung der libertas ecclesias durch Papst Leo IX. (keine Einflussnahme von Laien)
    • Rom: Adelsstreit; frommer Erzpriester erkauft den päpstlichen Stuhl (=Gregor VI.) um dann die Simonie zu bekämpfen. Heinrich III. geht als Folge gegen Gregor VI. vor, veranlasst 1046 neue Papstwahl (wobei dann nicht nur Gregor VI. sondern auch Benedikt IX. und Silvester III. abgesetzt werden)
    • es folgt Clemens II.; theoretische Diskussion über Reform entwickelt sich parallel dazu
    • Heinrich III. erhebt weitere 3 deutsche Amtsträger zu Päpsten (Damasus II., Leo IX., Viktor II.)
      • diese Päpste (und die folgenden bis Alexander II) behielten ihre Bistümer; bisher Wechsel von anderen Diözesen nach Rom verpönt, wegen vorausgesetzter lebenslanger Bindung an Heimatdiözese
      • Einbürgerung der Namensänderung bei der Papst-Neuwahl
      • Ausbildung der besonderen Verantwortung des Papstes für Bischöfe (»Reformpäpste«)
        • Reisetätigkeit der Päpste
        • Legatenwesen
        • Einberufung von Synoden / Konzilen in Rom
        • Neubetonung der Verleihung des Palliums
        • Forderung nach Ablegung des Pallieneides der Erzbischöfe
        • Pflicht zu ad-limina-Besuchen (Bischöfe müssen den Papst regelmäßig über den Zustand ihrer Diözese unterrichten)
        • Ausbau des Kardinalkollegiums, das seit 1059 vorrangig die Papstwahl vornimmt
        • Aufbau der Kurie
        • Aufsichtsrecht des Papsttums über die Kirchen sowie Leitung der Christenheit
        • sittliche Besserung des Klerus: z.B. Kampf gegen abweichende liturgische Bräuche
    • Komplikationen aufgrund der Kirchenreform mit Byzanz: 1054 dann Kirchenspaltung durch gegenseitige Exkommunikation zunehmende Entfremdung der Reformbewegung vom Kaisertum nach Tod Heinrich III. durch Zunahme anderer feudaler Beziehungen der Kirche

 
Verschärfung der Bewegung im 11. Jhd.: u.a. Themen der Lateransynode 1059

  • simoniaca haeresis (Ämterkäuflichkeit als Häresie): Zweifel am Heilswert der Sakramente (Taufe, Firmung, Priesterweihe) durch Personen, die erkaufte Positionen einnehmen oder eine Priesterehe eingegangen sind
  • character indelebilis (unwiderrufliche Prägung einer Person durch empfangene Sakramente) wird in Frage gestellt, wenn von einem geweihten aber unwürdigen Priester durchgeführt
  • Kritik an den unheiligen Zuständen des abendländischen Klerus
    • Würdenträger, die in Konfliktfällen i.d.R. zu ihren weltlichen Herrschern hielten, haben aber teilweise auch die Reform unterstützt
  • Klerikerehe
  • Kanonikerreform

 
Ergebnis der Lateransynode:

  • Papstwahldekret: Wahl des Papstes durch Kardinalskollegium, außerdem muss der Papst nicht von der römischen Kirche kommen und die Wahl muss nicht in Rom stattfinden
  • Verbot der Laieninvestitur

 
1073: Gregor VII. ist Papst

  • Versuch bereits 1054 gestartet
  • allerdings Verstoß gegen Papstwahldekret (nicht von 3/4 der Kardinäle gewählt, Mitspracherecht des deutschen Königs ignoriert)

 
Fastensynode unter Gregor VII.

  • Verurteilung der Priesterehe, Simonie und Laieninvesitur

 
Dictatus Papae, 1075

  • 25 Leitsätze zum Gesamtprimat der Kirche
  • der Papst als unumschränkter Herrscher der universalkirche trägt alleine kaiserliche Insignien
  • kann Untertanen vom Gehorsam gegen abtrünnige Fürsten entbinden
  • die geistliche Macht ist der weltlichen übergeordnet
    • König von seiner sakralen Stellung enthoben, als Laie der geistlichen Gewalt unterworfen

 
Synode von Piacenza, 1095

  • Bestätigung aller Beschlüsse gegen Simonie, Laieninvestitur und Bann des Gegenpapstes

 

Folgen der Kirchenreform: Festigung der kirchlichen Organisation, Abgrenzung der Kleriker von Laien und mittelalterlichen Ständen, sowie der Investiturstreit.


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