Die
Wikipedia hat
Erfolg; sicherlich ist zu streiten wie groß und in welcher Qualität dieser ist, aber sie wächst und gedeiht. Warum ist das so?
Die Wikipedia wird in Online-
Reichweitenrankings neben riesigen kommerziellen Projekten geführt die Milliarden an Werbung umsetzen. Da tun sich Werbeleute oft schwer zu verstehen warum hier ein
ausgewachsener Nicht-Markt existiert und vor allem warum sich dieser so gut entwickelt mit seiner eher hippieesken
Wissens-Allmende von lauter
Amateuren. Nur eins ist sicher: die
Wahrheit hat sie nicht gepachtet, aber das gibt sie im Gegensatz zu allen anderen zu und daher liegt sie dieser vielleicht am nächsten.
Innen
Was ist das
evolutionäre an der WP, das plötzlich ohne staatliche Aufbauhilfe und externer steuernder Motivation, ein doch 'beachtliche' Werk entsteht?
Arbeitsweise
Eine Enzyklopädie zu erstellen ist erst mal mit einem Aufwand verbunden, zu schreiben, zu lesen zu verstehen. Warum aber arbeiten so viele unentgeltlich an so einem Werk? Die Motivation ist sicherlich unterschiedlich, aber sie wird in summa nur selten von Demotivation durch den Verlust des Glauben an das eigene Tun gestört.
Im Vergleich zu den meisten Büros, Werkstätten oder Redaktionen gilt das Sei mutig-Prinzip, jeder kann etwas beitragen und dann wird erst die Relevanz oder Qualität überprüft. Man muss keine Vorschläge machen die dann von den Verantwortlichen in eine Schublade zum versauern geschickt werden. Nein das Urteil und die Umsetzung wird erst im Nachhinein stillschweigend gegeben, oder gegebenenfalls am Objekt verändert.
Kommunikation
Im Vergleich zu anderen modernen schaffenden Prozessen hat ein Wiki, und die Wikipedia im speziellen, keine schwammige Arbeitstruktur. Es gibt keine Meetings im eigentlichen Sinne, sondern jeder macht einfach. Zwar gibt es Treffen, aber diese diese umso effektiver da dort zu 99% nur metakommunikativer Austausch betrieben wird, das was in
echten Arbeitstreffen ebenfalls der wichtigste Faktor ist. (Eine Entscheidung wird nicht im Meeting manifestiert, sondern beim Bier hinterher)
Brainstorming wird von Neokommunikatoren als unwahrscheinlich kreativ und Ideen fördern bezeichnet, das stimmt auch, nur ein klassisches Brainstorming aus dem Moderatorenkoffer ist teilweise nicht sehr ergebnisorientiert. Ein Wiki ist ein ständiges Brainstorming mit 100%iger Umsetzungsrate.
Lernenden
Durch ein mitwachsendes Tutorial wiederholen sich Fehler weit aus weniger als in anderen Gruppen, die sogar konsistenter sind. Selbst im Vergleich zu einem normalen Büro, ist die Wikipedia hoch organisiert.
Einer
Qualitätsmanagement, wenn nicht Total-Quality-Management, Zertifizierungen wäre in der WP-Community leicht machbar; ja würden diese Arbeitsweisen neu Maßstäbe setzten.
Technik
Wichtig ist auch die verwendete Technik des
Wikis, einerseits kann man mit wenigen Mitteln und Kenntnissen produktiv zu arbeiten beginnnen und braucht nicht erst mal eine aufwändige z.B. SAP-Schulung. Zum anderen ist jeder Schritt absolut nachvollziehbar über das Concurrent Versions System; streng genommen kann in einem Wiki niemand etwas bearbeiten, sondern nur auf einer bestehenden Basis einen neuen Vorschlag für etwas machen und diesen sofort einreichen. So gesehen wir in einem Wiki alles gebackupt, sogar Spam. Diese Backups sind aber schnellstmöglich zu erreichen.
So kann ich an einem 12 seitigen Artikel den Vorschlag machen einen Rechtschreibfehler zu entfernen, ich lade mir den bisherigen Artikel, baue meine Änderung (den behobenen Rechtschreibfehler) ein, und proklamiere das als die neue Version. Wenn das jetzt keiner zu beanstanden hat, dann is gut.
Organisation
Die Frage ob die Wikipedia wäre "
Die Enzyklopädie der Massen?" kann man bejahen, aber nur aus Nutzersicht. Geschreiben wird diese, im Verhältniss zu den Nutzern, von einer Menge an Menschen im Promillbereich. Die Wikipedia wird von einem kleinen
Schwarm geschrieben aber von einer riesen Masse verwendet.
Als
Organsiation ist die Wikipedia sehr modern, schnell offen mutig und flexibel. Aber auch sehr humanistische Ansätze wie das
right to leave.
Aussen
Wie wirkt die Wikipedia nach aussen?
Macht & Kritik
Seit Ihrem bestehen hat die Wikipedia als
wiki grundsätzliche Kritik erfahren, mit der Zeit aber wenn die Qualität immer mehr bestätigt wird, erfährt die Wikipedia immer mehr Vertrauen von den Nutzern. Dieses Vertrauen erzeugt natürliche eine gewisse
Macht und diese kann und wird immer missbraucht werden.
Die Kritik hagelt von allen Seiten, ob zu antielitär, zu
rechts, zu links ((siehe
Wikiprawda) oder zu
elitär.
Inklusionisten vs Exklusionisten und die Relevanz
Als ich die zum ersten mal traf da hatte das ein kreativ laisser faire Stimmung von ein paar Anarchos die mit großen Hämmern weite Tore in den Elfenbeinturm hauten und jeden einluden mitzmachen. Inzwischen ist der jugendliche Elan gewichen und bürokratischer als wasweissich
Das ist aber nicht wikipediaspezifisch sondern ist dem Cristentum, den Liberalen und den 68ern auch passiert.
Das Problem ist aber auch das die Wikipedia (als Marke) ein totales Monopol hat und das bestimmt ist durch die Wikipediacommunity. Leider muss man sagen das die Wikipedianer mit ihrere Wikipedia (streng genommen nur die domain) machen können was sie wollen. Und wen die sagen sie schmeissen alle Lemmas mit 'f' raus.... die Wikipedia, als mitmachdings, ist kein öffentlicher Raum.
Ich bin eigentlich ein Inklusionist (mehr drin zu lassen) aber die Argumentation der Exclusionisten (mehr löschen) ist auch nicht ganz aus der Welt gegriffen. Die haben halt Angst das zu viel gossip die allgemein Qualität verwässere und nicht mehr nachprüfbar ist. Auf jeden Fall sind das keine faschoiden Hausmeistertypen, auch wenn der Ton mehr als rau ist.
Die Elitären hab das schon öfters probiert
wikiweise schon 2004,
citizendium.org 2006), beide tun sich schwer. Die Antielitären die ständig mehr Offenheit, Trivia oder Banales fordern haben bisher noch keine wirklich guten Ansatz geschafft. Laissez faire ist ok, vielleicht mach ich mit, aber hört auf das ständig von Andern zu fordern.
rechts vs. links
Mit der Kritik an der Relevanz fallen oft auch Kraftausdrücke aus der rechten Ecke. Sicherlich hat die Wikipedia einen gewissen Einschlag, auch wenn ich nicht weiss wohin, aber nur deshalb wiels Objektivität nicht gibt. Verglichen mit allem anderen aber ist die Wikipedia die Göttin der politischen Neutralität, selbst wenn sich nationale Burschenschafter und anarchosyndikalisten Streiten, sie schaffen es (manchmal nur fast) auf der Ziegeraden der Ojektivität nebeneindander zu leben.
Trotzdem geistern unbandig Gerüchte umher. Ein Polizeibeamter (Abteilung Staatsschutz) meinte mal das sie die Wikipedia (offiziell) nicht mehr verwenden (dürfen), da von linksradikalen unterwandert. da stellt sich wiede rmal die Frage wo so der Geist des Polizeiapparats die Mitte definiert;)
commerziell vs. gemeinnützig
Es gibt nämlich auch immer wieder Leute die fordern das die ach so dumme Wikipedia endlich Werbung schalten soll;) Und es gibt Leute die ween eines winzigen Sponsorenbuttons die Barrikade brennen....
Ich selbst bin mit der Wikipedia nicht verheiratet, aber sie ist mir trotz allen persönlich subjektiven Mängeln die Liebste. Alles Kritikern kann man nur zurufen. Sei Mutig! nehmt euch die heutige Wikipedia als Mitgift unter den Arm (dank freier Lizenz) und macht was Neues auf. Nach euren Wünschen.
Die Ungläubigen
Und es gibt Leute die immer noch sagen das der Wikipedia nicht zu trauen wären. Da sind dann so Leute die einem eher Wiki{*}fan immer irgendwelche Geschichten reindrücken das ein Freund vom Freund dessen amerikanische Wissenschaftler neulich bei der Diplomarbeit durchgefallen ist weil... aber mit einer ichdrücksdirjetzreinmine. Naja, locker drüber stehen.
Aber diese Leute sind wichtig, denn Kritik und ist für alles Große wichtig. Zwar sind das eher Leute die excathedrales "Wissen" bevorzugen, aber wenigstens werde diese nicht müde ständig die Missstände der Kommunikativen aufzudecken.
Qualität und Quantität
Die Diskussion um die Qualität der Wikipedia ist länger als, der Geschichte der Wikipedia. Und genau diese Diskussion zu führen ist der eigentlich Erfolg. Man darf die Wikipedia niemals als alleinige vertrauen, man darf nichts und niemals alleinig vertrauen. (außer dem Papst und der BILD)
Die Wikipedia ist keine wissenschaftliche Primärquelle, das hat sie selbst als erstes gesagt. Aber es ist ein guter Überblick über ein Thema das man vorher nicht kannte. Man kann sagen die Wikipedia ist das Management Summary des Wissens. Ach trotzdem, wie immer im Leben
zählt die Größe.
Neben der alleinigen Größe finde ich die Zusammenhänge großartig. Man kommt über ein Thema rein und
seht drei interessante Links, folgt denen, findet mehr interessante Links, und wacht Stunden später aus einem Wikipedia-Wachkoma auf, das ihr mit Rumklicken verbracht habt. Das ist mir dann auch egal das es nicht das zu 100% verifizierte 1A Wissen ist, aber das stundenlangen Durchwandern von Wissensgebiete, von deren Existenz man davor gar nichts wusste.
Effizienz
Wenn sich also nur ein einziges Prozent unseres Medienkonsumverhaltens in Richtung Teilhabe entwickeln würde, ergäbe das pro Jahr eine Kapazität von 100 Projekten wie Wikipedia.
Leben?
> Wenn man totalitäre System in der Entstehung betrachten will genügt
> wohl ein Blick in die Diskussionen bei wikipedia....
So haben im März 2007 noch 18.126 registrierte Wikipedia-Auoren 20 oder mehr Änderungen an Wikipedia-Artikeln vorgenommen, im Jahr 2008 stagniert diese Zahl jedoch um 15.000 Nutzer pro Monat
Wikipedians are 'closed' and 'disagreeable'
dass im März 2007 der Wendepunkt für die englische Wikipedia erreicht wurde und das Wachstum bei neuen Artikeln seither zurückgeht.
Beide haben etwas völlig Neues aufgebaut mit dem Anspruch, transparent, hierarchiefrei, partizipativ und (basis-)demokratisch zu sein. Entscheidungen und Regelfindung sind langwierig. Gleichzeitig sollen sie ständig Neuen vermittelt werden. (
via)
Sieg oder Niederlage
Als ich damals ein bisschen mit Wikipedia anfing, also die ganze Tragweite dieses Systems zum ersten mal verstanden habe, war die Wikipedia bereits mainstream, heute ist sie eine Schritt weiter und eine Institution; die Medien überschlagen sich
fast mit vergleichen zu traditionellen Lexikas und der der major consens muss heute die Ebenbürtigkeit sein. Die Wikipedia ist auf dem Weg zum
Konservativum, ganz sicher.
Der Brockhaus geht am 15. April 2008 komplett ins Netz. Und das nicht weil man mal was ausprobieren will, sondern als, na ja sagen wir mal Frontbegradigung. Wenn der Brockhaus das da nicht mit einem sehr guten Gimmick verbindet wir der weder von der inhaltlichen Menge, noch von der Marke nachziehen können (die Marke heißt "offenes Internetlexikon").
Aber was wäre dieser Gimmick? Die Wahrheit, Geruchsapplikation, rechtsverbindliche einklagbare Wahrheit. Noch ist mir nichts eingefallen. Also wird er hops gehen. Weder Schadenfreude noch Mitleid. Einfach andere Zeiten.
Aber umso mehr die Wikipedia zum unhinterfragten fast
unreflektieretem herscher über das Wissen wird, umso mehr verliert sie die leichte und Offenheit und verkümmert an ihrem eigenen
Communitygift. Ich weiss nicht ob die Wikipedia so wie sie ist ewig fortlebt. Ist mir auch egal, es ist nur eine domain, solange es immer wieder Menschen gibt die Herrschaftsanspruch in Frage stellen.
Die Idee hinter der Wikipedia würde sogar gemehrt wenn aus dem Streit im herbst 2009 viele kleine, große, allgemein, spezielle, elitäre, liberale Forks entstehen würden.
Würde jetzt gern sowas wie "Die Wikipedia ist tot es albe das WIki" schrieben, das klngt aber zu schwülstig.
;)
Kreislauf