Die griechische Polis und die große Kolonisation
- Polis war Raum und Personenverband, der durch Mauern, Tore und Türme geschützt war. Gleichzeitig Kultur- aber auch politische Gemeinschaft.
- Mittelpunkt war die Agora, ein öffentlicher Raum in dem sich die Gemeinschaft versammelt. Weiter wichtig waren die Tempel und Nekropolen (Grabstätten), die oft außerhalb der Wohnräume errichtet wurden.
- Die Anfänge der Polis Entwicklung fanden schon im 8. Jhd. Statt und haben ihren Höhepunkt in der klassischen und hellenistischen Zeit.
- Der Prozess der Polis hin zum Stadtstaat zeigt sich auch in der Mehrpoligkeit ihrer Topographie. Trennung zwischen politischen Raum (Agora) und religiösem Raum (Tempel) und ein urbaner Innenraum und dem Außenraum (Chora).
- Grundstruktur: Entstehung von zentralen Institutionen: permanente Ämter (i. d. R. befristet auf ein Jahr, Rotation), Ratsorgane mit geschäftsführenden Funktionen („bole demoise“ (Volksrat) und regelmäßige Versammlungen der politisch vollberechtigten Bürger (Volksversammlung um 600 v. Chr.), mit dem Recht bindende Beschlüsse zu fassen.
- Amtsträger, Räte und Versammlungen stehen sich direkt im öffentlichen Raum gegenüber (face to face).
- Grundlegende Entwicklung: Entpersonalisierung und Objektivierung von Macht. Befristung der Ämter. Entstehung einer Beamtenschaft (damioi) und dem Kosmos oder Kosmei (Ordner), einem mehrstelligen kollegialen Organ.
- Kern der „Staatlichkeit“ einer Polis: Institutionalisierung der Rechtsprechung (in allen drei Bereichen), und v. a. die Gesetzgebung. Beschlüsse werden erstmals schriftlich festgehalten. Dieses Verfahren institutionalisiert das Gemeinwesen.
- um ca. 750 v. Chr. Beginn. Griechen verlassen ihre Heimat auf Euboia fahren nach Westen und gründen am Golf von Neapel eine neue Siedlung.
- Weitere Gründungen folgen im nördlichen Ägäisraum, im Schwarzmeergebiet und bis zum heutigen Marseille.
- Ursachen, Motive: ökonomische und politische Krise vieler Städte im Mutterland. (Überbevölkerung, ungleiche Verteilung von Land und Macht)
- Oikisten: militärische Anführer des Zuges und Organisatoren der neuen Kolonie, meist aristokratischer Herkunft.
- Zuerst immer Reise nach Delphi (Orakelbefragung): Okkupation der neuen Ländereien musste mit dem Segen der Götter legitimiert werden.
- Rekrutierung: I. d. R. 100 bis 200 Männer im wehrfähigen Alter. Oft zogen Frauen später nach. Militärischer Charakter. Gelegentlich beschloss die Bürgerschaft der Mutterstadt, dass aus jeder Familie ein Sohn abgestellt werden soll.
- Lage: Meist an einer Küste, Halbinsel, Landzunge oder Mündung von Flüssen. Fruchtbares Land, Wasserversorgung und gute Verteidigungsmöglichkeit. (z. B. Syrakus)
- Aufbau: Verteidigungsanlage (mauern), Areal für Tempel und Heiligtümer, Landverteilung an Kolonisten (man weiß noch nicht genau, inwieweit diese hierarchisch erfolgte), Straßennetz.
- Beziehung zur Urbevölkerung: oft Unterwerfung (teils freiwillig), Versklavung, führte zur Akkulturation, also Anpassung der Urbevölkerung.
- Verhältnis zu Mutterstädten: Kolonien nahmen den Status einer neuen Stadt an. Oft wurden Institutionen übernommen.
- Beschleunigte Entwicklung der Polis.