Goldene Bulle

= aurea bulla (goldenes Siegel weist auf Wichtigkeit hin!)

Nach dem Scheitern Kaiser Karls IV. Reichsgesetzentwurfs der Maiestas Carolina am Widerstand der F√ľrsten wird in Beratungen mit den Kurf√ľrsten 1356 die Goldene Bulle erlassen (Teil 1: N√ľrnberg, Teil 2: Metz).

Sie schafft eine definitive Regelung der Verh√§ltnisse zwischen K√∂nigtum / Kaisertum, Kurf√ľrsten und Papsttum bis zum Ende des Heiligen R√∂mischen Reichs deutscher Nation 1806.

Die Goldene Bulle konnte in der Situation geschaffen werden, als nach der R√ľckkehr Karls IV. von seiner r√∂mischen Kr√∂nung erstmals seit 118 Jahren ein vom Papst anerkannter Kaiser in Deutschland weilte.

Es gilt als das wichtigste Verfassungsdokument des Heiligen Römischen Reichs.

Von den wohl neun originalen Abschriften (1 bei Karl IV. (als K√∂nig von B√∂hmen = Kurf√ľrst), 6 an die weiteren Kurf√ľrsten, 1 jeweils nach Aachen und Frankfurt) sind noch sieben erhalten.

Zusammenhaltendes Moment: auf Einheit (''concordia'') statt Spaltung wird im Proömium sowie im gesamten restlichen Text hingewiesen.

Inhalt

  • Modus der K√∂nigswahl im Kurf√ľrstenkolleg
    • genaue Bestimmung f√ľr den Wahlvorgang, Mehrheitswahl (maior pars)
    • Verbot von Doppelwahlen durch Doppelstimmenvergabe
    • Verbot von Absprachen vor der Wahl
    • Verbot von Bestechungsgeldern
    • Wahlort: Frankfurt. K√∂nigskr√∂nung: Aachen. Reichstag: N√ľrnberg (Reichskleinodien). Kaiserkr√∂nung: Rom (bis 1425)
    • Festlegung der Zahl der Kurf√ľrsten
  1. Erzbischof von Trier
  2. Erzbischof von Köln
  3. Erzbischof von Mainz als geistliche F√ľrsten, wobei die letztern zwei relativ gleichberechtigt sind; sowie
  4. König von Böhmen
  5. Pfalzgraf bei Rhein
  6. Herzog von Sachsen und
  7. Markgraf von Brandenburg als weltliche F√ľrsten
  • Anwartschaft des gew√§hlten K√∂nigs auf das Kaisertum
    • K√∂nigswahl formell von der Zustimmung des Papstes gel√∂st
    • K√∂nig muss nach der Wahl die Privilegien der Kurf√ľrsten erneuern
    • Zugest√§ndnisse an die Kurf√ľrsten, die eine kaiserliche Machthoheit einschr√§nken nach Erfahrung der Maiestas Carolina
  • Rechte der Kurf√ľrsten um Streitf√§lle zu vermeiden
    • Einheit des HRR gew√§hrleisten, z.B. durch Vermeidung von Thronfolgefehden
    • privilegierte Stellung als alleinige K√∂nigsw√§hler
    • Unteilbarkeit der Kurlande und Vererbungsregelung (Primogenitur)
    • Autonomie der kurf√ľrstlichen Herrschaft: Gerichtshoheit, Zoll- und M√ľnzrecht, Regalien etc.
    • genaue Aufgabenzuteilung bei weltlichen wie geistlichen Zeremonien in Anwesenheit des K√∂nigs / Kaisers
    • j√§hrliche Versammlung der Kurf√ľrsten
    • Sonderstellung des K√∂nigreichs B√∂hmen!
  • Verbot des Zusammenschlusses von St√§dten